Bericht MARSCH DES LEBENS 2022

Anlässlich des jüdisch israelischen Holocaustgedenktages Jom haShoa veranstalteten wir am 28.04.2022 einen Marsch des Lebens in Leipzig. Gemeinsam mit dem offiziellen Gedenken der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig startete der diesjährige Marsch auf dem Dach des Kulturzentrums Ariowitschhaus. Um an Opfer der Shoa, darunter Familienangehörige und Freunde, zu erinnern, wurden symbolisch sechs Kerzen angezündet.

Im Anschluss marschierten die etwa 200 Teilnehmer des Marsch des Lebens hinter dem Banner „Mit Herz und zu Fuß – Ein Zeichen setzen gegen Antisemitismus“ und zahlreichen Länderfahnen durch die Innenstadt. Entlang bedeutender Orte jüdischen Lebens – darunter das Astoria-Hotel, der Brühl und die Synagoge in der Löhrstraße, führte die Route zum Denkmal der 1938 zerstörten Großen Synagoge in der Gottschedstraße. Dort erinnerten jüdische Musik und Tänze an die Shoa und ehrten gleichzeitig das heutige jüdische Leben in Deutschland und unserer Stadt.

In seiner Ansprache mahnte Dr. Thomas Feist, Beauftragter für jüdisches Leben in Sachsen, wie wichtig es sei, beharrlich und ohne nachzulassen an die Shoa und ihre Opfer zu erinnern. Er sagte, wie dankbar er sei für die Initiative des Marsch des Lebens, welche aus der Mitte der Gesellschaft komme und nicht mehr aus dem Stadtleben Leipzigs wegzudenken sei. Er würdigte besonders die Beteiligung vieler junger Teilnehmer am Marsch und hob die Verantwortung der jungen Generation hervor, dass so etwas wie die Shoa nie wieder geschehen dürfe.

Stefan Haas, Initiator des Marsch des Lebens in Leipzig, betonte in seiner Rede die vielfältige jüdische Geschichte der Stadt und brachte das Anliegen der Bewegung zum Ausdruck. Es sei wichtig an die Shoa zu gedenken und nicht damit aufzuhören aus vier Gründen: für die Opfer der Shoa, ihre Nachkommen und unsere jüdischen Freunde, für echte Versöhnung, für das Existenzrecht des Staates Israel, und für die Nachkommen der Täter und die gesamte Gesellschaft.

In besonderem Maß wurde dieses Jahr auch an die Opfer der Shoa aus der Ukraine gedacht und anwesende ukrainische Freunde geehrt.

Erschüttert erzählten Mitglieder der Marsch des Lebens Bewegung die Geschichten ihrer Familien: Großväter waren als Teil der Wehrmacht in der Ukraine an Verbrechen der Deutschen mitverantwortlich, andere waren als SA Männer an der Reichsprogromnacht beteiligt gewesen. Die persönlichen Berichte waren verbunden mit einem Statement gegen heutigen Antisemitismus sowie der Freundschaft zu Israel, dem jüdischen Volk und der Ukraine.